Frankfurter Neue Presse, 28.11.2002
Dornbusch - Zwei Mal in der Woche geht es hoch her in der "KUMON Mathematikschule". 67 Kinder kommen zu Dimitris Matzarakis, der die Privatschule betreibt. Sie trainieren. Wie an anderen Tagen im Sportverein oder bei der Klavierlehrerin, üben sich die Kinder bei Matzerakis in Mathematik. Das kann durchaus Spaß machen.
"Die Kinder sollen ihre Fähigkeiten entdecken und Selbstvertrauen entwickeln", sagt der Pädagoge. Er ist, seit er vor drei jahren erstmals davon gehört hatte, begeisteter Anhänger der KUMON Methode. "Die Leute denken, das sei etwas Unseriöses, irgendwie esoterisch. Man futtert Kräuter, pendelt mit Kristallen und lernt Mathe von selbst", sagt er lächeln. Dabei habe Kumon nichts mit abgedrehten Spinnereien zu tun.
Der Japaner Toru Kumon hat vor 45 Jahren schlicht ein System entwickelt, wie Kinder systematisch Mathe trainieren können. Das A und O ist dabei die Erfolgskontrolle. "Das kannst du schon alles, sage ich den Kindern, und sie freuen sich darüber", so Matzerakis, der die Frankfurter Matheschule als Franchise-Nehmer von Kumon Deutschland selbstständig betreibt. Das System habe Erfolg, mache Spaß und sei im Grunde nichts weiter als ein Trainingsprogramm, mit dem Kinder rechnen lernen könnten - durch Wiederholung und ständige Steigerung der Anforderung und der Leistungsfähigkeit. "Niemand findet etwas dabei, wenn Kinder nach der Schule zum Musikunterricht gehen oder zum Sport. Gehen sie dagegen zum Mathe-Trainingskurs, denkt man sofort an Nachhilfe", sagt Matzerakis. Sicher, viele Eltern kommen auf ihn zu, weil ihre Kinder in der Schule Probleme haben in dem Horrorfach. Doch primär sei er kein Nachhilfelehrer.
In der Mathematikschule mit ihren zwei Unterrichtsräumen treffen sich die Schüler im Alter von vier bis 16 Jahren, um sich die neuen Aufgaben abzuholen und die alten abzugeben. Herzstück des Systems sind die Bögen mit den Aufgaben. Alters- und klassengerecht sind darauf die Nüsse, die geknackt werden müssen. Von einfachen bis komplizierten Bruchrechenaufgaben reicht das Spektrum.
Die Bögen werden von den Schülern täglich zu Hause gelöst. Zehn bis 20 Minuten sollte das Training dauern. Montags und Donerstags, bei den Treffen in der Schule, wertet Matzerakis die Bögen aus und gibt entsprechend den Leistungen neue Aufgaben aus. Zugleich werde der Lernfortschritt jedes Kindes gewissenhaft in Karteikarten eingetragen. So sehen er und die Schüler genau, wo sie jeweils stehen - mit Kurven, die den steigenden Erfolg darstellen.
Das Größte für die Kinder ist, wenn sie erleben, dass sie "befördert" werden. Post-it-Zettel mit den Namen der Kinder wandern auf einem großen Bild eines Hauses von Stockwerk zu Stockwerk nach oben. "Da unten habe ich mal angefangen", sagt Melina, elf Jahre alt und Tochter von Matzerakis Unten ist das Kellergeschoss - inzwischen ist Melina in ein komfortables Stockwerk gewandert, dort, wo das Niveau der sechsten Klasse angesiedelt ist. Rund 40 Zentimeter misst der Stapel an Aufgabenbögen, die sie in den vergangenen drei jahren gelöst hat. Er steht auf einem Regal in der Schule - damit auch die anderen Kinder sehen, dass man viel arbeiten muss.
Melina und ihre Zwillingsschwester Karoline sind seit Bestehen der KUMON Schule vor drei Jahren dabei, gewissermaßen die Testkaninchen des Papas. Inzwischen liegen sie stoffmäßig und vom Verständnis her gut ein Jahr vor ihren Klassenkameraden. Im Matheunterricht langweilen sie sich trotzdem nicht, sondern knobeln über anspruchsvollere Aufgaben oder helfen ihren Mitschülern. "Die Kinder entwickeln Neugier, wenn sie erfolg haben und das Lernen Spaß macht."
Die Förderung sollte möglichst früh beginnen, um auch die Arbeitseinstellung der Kinder beeinflusse zu können. Die zweite oder dritte Grundschulklasse ist das optimale Alter. Da haben die Kinder noch Freude am Lernen und sind spielerischen Methoden und kleinen Wettkämpfen gegenüber aufgeschlossen. Das Trainingsprogramm ist schlicht, fordert aber Disziplin von Kindern und Eltern.
Denn die täglich 20 Minuten, die die Kinder neben den Hausaufgaben nun auch noch leisten sollen, stellen eine Herausforderung dar. Matzerakis versichert indes, dass kein Kind überfordert werde. "Wenn ich sehe, dass e szu ange dauert, nis ein Bogen gelöst ist, gebe ich ihnen das nächste Mal weniger und einfachere Aufgaben mit."
Mit dem KUMON-Rezept werden weltweit rund drei Millionen Kinder gefördert, die Hälfte davon in Japan. In Deutschland gibt es rund 80 Schulen.
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